Nordöstlich am Võrtsjärv liegt der Campingplatz Kiviranna. Die Ausstattung ist toll: ein wunderschöner Platz direkt am See, mit Feuerstellen, gehacktem Holz und Bänken, Stromanschlüssen, Ver- und Entsorgung sowie Ferienhäusern. Die gesamte Anlage ist sehr gepflegt, die Besitzer wohnen am Eingang des Platzes. Ich telefoniere vorab mit der Besitzerin, natürlich darf ich kommen, sie erwarten mich (… ich bin ja auch der einzige Gast).

Mein erster Schaden an der Stoßstange, Estland
Mein erster Schaden an der Stoßstange

Als ich von meinem Stellplatz in der Mittagspause losfahre, graupelt es bereits leicht. Ich tanke das Auto voll, damit ich schön heizen kann, denn es wird wieder kalt. Leider fahre ich an der Abzweigung zum Campingplatz vorbei, muss wenden und aufgrund eines überholenden Autos nehme ich die Kurve zu eng, sodass ich nicht auf die Schotterstraße zum Platz komme. Das Wohnmobil mit Anhänger ragt halb in die Straße. Es graupelt nun stark. Ich schlage das Lenkrad richtig rum ein, aber der Anhänger steht schon beinahe neben dem Wohnmobil, sodass ich ihn mir beim kurzen Zurücksetzen direkt in die Stoßstange ramme. Ich bin fassungslos und ärgere mich über mich selbst. Aber viel Zeit dazu bleibt mir nicht, ich blockiere eine Straßenhälfte! Ich kopple den Anhänger ab, schiebe ihn in die Ausfahrt, sammle die Teile der Stoßstange ein und rangiere das Wohnmobil. Mit dem wieder angekoppelten Anhänger fahre ich auf den Campingplatz. In der Zwischenzeit beobachten Aria und Roxi meine Aktionen mit Argusaugen.

Die Dame des Hauses freut sich über mein Kommen, erklärt mir, dass ich besser zwischen den ohnehin unbewohnten Ferienhäusern parken soll, da die Wiese zu weich ist. Strom kann ich von der Terrasse eines Ferienhauses beziehen (Gott sei Dank habe ich einen Adapter!). Später schickt sie mir noch das WLAN-Passwort. Ich setze meine Arbeit fort und repariere Abends mit Panzertape (welches ich auch in weißer Farbe habe) die Stoßstange provisorisch. Die abgesplitterten Teile mache ich sauber und verpacke sie sorgfältig.

Am Mittwoch Nachmittag schneit es noch kräftig, der Winter ist zurück. Die Heizung verströmt eine wohlige Wärme. Aria und Roxi genießen das Wohnmobil und sind nicht erpicht, es zu verlassen. Aria erbarmt sich einmal und macht mit mir einen kurzen Spaziergang. Am Donnerstag taut es wieder etwas, aber am Freitag kehren der Schneesturm und die Kälte zurück. Bei meiner Abfahrt bietet mir die Besitzerin noch frisch geräucherten Fisch an, doch ich bin in Eile, in Tartu wartet mein Lebensgefährte schon (der sich im übrigen sehr über den Fisch gefreut hätte).

Aber nun heißt es: Rostock, wir kommen!

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